Lass dich nicht täuschen –
EUPATI gegen Fake News
EUPATI CH startet die Kampagne «Lass dich nicht täuschen – EUPATI gegen Fake News!»
Falschnachrichten können besonders im Gesundheitswesen gefährlich sein, insbesondere für Einzelpersonen oder Patient:innen, aber auch für Fachpersonen und für die Gesellschaft insgesamt. Als Patient:innenorganisation setzt sich EUPATI dafür ein, Fehlinformationen zu entlarven und das Bewusstsein für die Bedeutung korrekter Informationen durch die Förderung von Gesundheitskompetenz zu stärken. Denn wir alle können etwas tun: uns selbst schützen, andere aufklären und bewusst handeln.
Unterstütze EUPATI Schweiz mit einer Spende oder Mitgliedschaft. Herzlichen Dank!
Unterstütze EUPATI Schweiz mit einer Spende oder Mitgliedschaft. Herzlichen Dank!
Wir danken für die finanzielle Unterstützung der Kampagne durch:

Um die Öffentlichkeit vor den Gefahren von Fake News im Gesundheitswesen zu warnen und zu sensibiliseren, hat EUPATI CH die Social Media Kampagne «Lass dich nicht täuschen – EUPATI gegen Fake News» ins Leben gerufen.
Auf dieser Seite findest du den gesamten Kampagneninhalt auf einen Blick: Fakten, Zahlen und Hintergründe zu Fake News, einen praktischen Leitfaden zur Erkennung von Desinformation sowie spannende Interviews und Podcasts mit Expert:innen und EUPATI Mitgliedern. Zudem erhältst du Einblicke in aktuelle Forschungsprojekte, die sich der Bekämpfung von Fake News widmen.
Lass dich nicht täuschen! Denn gerade im Gesundheitsbereich können korrekte Informationen Leben retten.
WIE ERKENNE ICH FAKE NEWS?
Ein reisserischer Schreibstil, emotionale Sprache, sowie spektakuläre Bilder können Hinweise auf Fake News sein. Dieser Stil lässt den Inhalt in den Hintergrund treten. Die auffällige Aufmachung soll Leser:innen anlocken – oft mit dem Ziel, Falschinformationen zu verbreiten.
Lies den ganzen Text und nicht nur die Überschrift. Reisserische Titel ohne echten Inhalt sind typisch für Fake News. Oftmals enthält der Text von Fake News einen komplett anderen Inhalt als der Titel.
Fehlt im Artikel eine Angabe zur Autorenschaft, könnte sie bewusst verschleiert worden sein. Versuche dir ein vollständiges Bild über das Thema zu verschaffen. Recherchiere zum Beispiel weitere Quellen, um die dargestellten Fakten zu vergleichen. Interessant ist dabei, in welchem Kontext und Zeitraum die Bilder und Informationen auch noch erscheinen.
Um eine Nachricht zu überprüfen, kopiere einen Teil des Textes ins Suchfeld einer Suchmaschine und suche nach dem Ursprung der Nachricht. Achte auf widersprüchliche Aussagen und recherchiere Hintergründe, um dir ein umfassendes Bild zu machen.
Sind die genannten Zahlen, Fakten oder Studien plausibel und auf dem neuesten Stand? Wenn Studien zitiert werden, wirf einen Blick in die Originalquelle, um die Aussagen zu überprüfen. Nutze auch Faktencheck-Portale wie Mimikama oder Hoaxmap – sie entlarven irreführende oder veraltete Informationen, die bereits als Fake News identifiziert wurden.
Zeigt ein Bild, Video oder Audio etwas Ungewöhnliches oder widerspricht es bekannten Fakten? Dann hilft die Rückwärtssuche: Screenshots können über Google Bildersuche oder TinEye nach ihrem Ursprung durchsucht werden. So lassen sich gefälschte, manipulierte oder aus dem Kontext gerissene Medien schnell identifizieren.
Wir haben dir einen praktischen Leitfaden zusammengestellt, wie du Fake News erkennen kannst.
🔎 Teste dein Wissen und finde heraus, wie gut du Fake News erkennst: https://was-lese-ich.ch/fake-news-quiz/
Den Darm reinigen – klingt gesund, ist aber nur ein Hype.
Ob direkt via Social Media, über Detox-Programme oder inspiriert durch Influencerinnen: Der Trend zur Darmreinigung verspricht Entgiftung, mehr Energie, besseren Schlaf und sogar schönere Haut. Wissenschaftlich ist der Nutzen aber nicht belegt.
Mehrere Studien haben gezeigt: Darmreinigungen stören kurzfristig das Mikrobiom, das sich meist wieder erholt, aber nachgewiesene gesundheitliche Vorteile gibt es keine. Tatsächlich gilt sogar das Gegenteil: Zu häufige Anwendungen können zu Dehydration, Elektrolytstörungen oder sogar Infektionen führen, da mitunter für die Verdauung wichtige Bakterien herausgespült werden Und die für eine Darmreinigung angebotenen Produkte wie Pulver, Tees oder Kuren sind oft sehr teuer.
💡Fazit: Dein Darm braucht keinen Frühjahrsputz, denn er reinigt sich selbst. Was wirklich hilft, ist kein Detox, sondern ein gesunder Lebensstil: Bewegung, Ballaststoffe, ausreichend Schlaf.
Weitere Infos zur Darmgesundheit vermittelt zum Beispiel das Universitätsspital Zürich: https://www.usz.ch/darm-mythen-und-fakten/
Experten-Podcast: «Fake News im Praxisalltag»
mit Dr. med. Stephan Schobinger
Über Social Media und mittlerweile auch durch den Einsatz der KI verbreiten sich Fake News auch im Gesundheitswesen rasend schnell. Immer mehr Menschen nutzen KI-gestützte Tools wie ChatGPT, um ihre Symptome einzuschätzen und sich bereits vor dem Arztbesuch medizinisch zu informieren. Oder sie lassen sich auch Empfehlungen von Influencer:innen ein, welche oftmals gar keinen medizinischen Hintergrund haben.
Dies kann sowohl für Patient:innen als auch für Ärzt:innen zur Herausforderung werden. Dr. med. Stephan Schobinger, Vorstandsmitglied von EUPATI Schweiz, berichtet aus seinem Praxisalltag.
Echinaforce: «Wundermittel» oder Wunschdenken?
Im September 2020 – mitten im Aufflammen der zweiten Welle der Corona-Pandemie – wurde im «Virology Journal» eine Laborstudie veröffentlicht, die zeigte, dass ein pflanzlicher Extrakt der Echinazee im Reagenzglas Coronaviren abtöten kann. Kurz darauf berichteten verschiedene Schweizer Medien vom «Thurgauer Wundermittel», das gegen Corona wirke, da das bekannte pflanzliche Arzneimittel Echinaforce ein Echinazeenextrakt enthält. Die Nachfrage nach dem Präparat stieg daraufhin sprunghaft an. Swissmedic stufte diese Art der Bewerbung jedoch als irreführend ein, da eine entsprechende Wirkung beim Menschen nicht belegt ist.
Dies ist ein gutes Beispiel dafür, dass eine korrekte Meldung zur Wirkung eines Präparats in Labortests im Reagenzglas durch Medien oder Einzelpersonen bewusst oder auch unabsichtlich falsch interpretiert und weiterverbreitet werden kann. In einer Zeit, als alle verzweifelt auf der Suche nach einem Mittel gegen das Coronavirus waren, verbreitete sich diese Falschmeldung rasant.
💡 Hast du auch schon Meldungen über Wundermittel gelesen? Hier lohnt es sich, solche Gesundheitsinfos kritisch zu hinterfragen und den Faktencheck zu machen!
Aktuelle Forschung zu Fake News
Es gibt verschiedene Forschungsprojekte, die sich der Bekämpfung von Fake News und Desinformation widmen. Die Designs der Studien geben Einblick, wie neue Technologien und die Erweiterung der Gesundheitskompetenz dabei helfen können, Falschinformationen schneller zu erkennen und ihre Verbreitung einzudämmen. Wir haben ein paar interessante Studien zusammengestellt.
Im digitalen Zeitalter stellt die Verbreitung von Desinformation und Fehlinformation eine erhebliche Herausforderung für das gesellschaftliche Vertrauen dar. Eine systematische Übersichtsarbeit, die im Jahr 2024 im Springer-Verlag veröffentlicht wurde, untersuchte die Rolle der künstlichen Intelligenz (KI) bei der Bekämpfung der Verbreitung von Fehlinformationen. Die Forschenden analysierten 76 Studien aus den Jahren 2014 bis 2024.
Es zeigten sich grosse Fortschritte, aber auch neue Herausforderungen bei der Anwendung von KI-Technologien zur Bekämpfung von falschen Informationen. Eine wichtige Rolle spielen dabei von ausgefeilte Algorithmen und Natural Language Processing, die laufend verbessert werden. Weiter zeigte sich, dass die Integration menschlicher Aufsicht und eine kontinuierliche Verfeinerung der Algorithmen entscheidend sind, um die Wirksamkeit von KI-Systemen bei der Bekämpfung von Fake News zu erhöhen. Die Erkenntnisse dieser Studie sollen helfen, künftig ethische und wirksame KI-Lösungen gegen Desinformation zu entwickeln.
Quelle: Saeidina, H. et al. «Artificial intelligence in the battle against disinformation and misinformation: a systematic review of challenges and approaches» Knowledge and Information Systems, 2024.
Die Studie aus dem Jahr 2024 untersucht, wie Gesundheitskompetenz Menschen dabei unterstützen kann, besser mit Fehlinformationen und sogenannten Infodemien umzugehen, insbesondere in Krisenzeiten wie der Covid-19-Pandemie. Dabei wurden bestehende Definitionen von Gesundheitskompetenz analysiert sowie Interviews mit 16 Expert:innen in der Schweiz geführt. Die Ergebnisse zeigen, dass Gesundheitskompetenz Menschen befähigt, proaktiv mit gesundheitsbezogenen Informationen und Herausforderungen umzugehen, die Qualität von Informationen zu beurteilen, Fehlinformationen zu erkennen und Gesundheitsdaten sicher zu nutzen. Zudem fördert sie das kritische Denken im Umgang mit digitalen Informationen und Dienstleistungen. Gesundheitskompetenz ist also eine zentrale Voraussetzung, um vertrauenswürdige Gesundheitsinformationen zu finden, deren Qualität zu reflektieren und die komplexen Zusammenhänge von Gesundheit besser zu verstehen.
Quelle: Beese, A-S. et al, «The empowering role of health literacy in combatting fake news, misinformation and infodemics», The European Journal of Public Health, October 2024.
Forscherinnen an der Universität Zürich untersuchten, wie Menschen auf korrekte im Vergleich zu irreführenden Social-Media-Beiträgen reagieren und wie ihre eigenen Online-Recherchen ihre Einstellungen beeinflussen. In einem Laborexperiment mit 86 Teilnehmenden kam eine Kombination von Eye-Tracking und Bildschirmaufzeichnungen der Suchprozesse zum Einsatz. Es zeigte sich, dass die Wahrnehmung von korrekten und irreführenden Beiträgen ähnlich intensiv war. Allerdings beeinflussten nur die wahren Beiträge die Einstellungen der Teilnehmenden, unabhängig davon, wie sie wahrgenommen wurden. Zudem zeigte die Analyse, dass individuelle Online-Recherchen die Einschätzung der Richtigkeit von Informationen verbesserten, wobei dieser Effekt themenspezifisch variierte. Die Erkenntnisse der Forscherinnen betonen die Wichtigkeit der digitalen Informationskompetenz, um Fehlinformationen zu erkennen und ihren negativen Einfluss auf die Gesellschaft zu verringern.
Wird Cola in der EU Verboten?!
Irritierende und falsche Aussagen zu Gesundheitsthemen kursieren häufig auf der Social Media Plattform TikTok.
Gerade dort verbreiten sich solche Falschinformationen rasant, oft emotional aufgeladen und ohne Faktenbasis.Laut einer US-amerikanischen Studie enthält etwa jeder fünfte TikTok-Clip Gesundheits- oder Fehlinformationen, oft von nicht-medizinischen Influencern gepostet. Die Folge: Viele Nutzer:innen werden verunsichert und teilen die Inhalte weiter, ohne sie zu prüfen.
Ein Beispiel dafür ist das TikTok Video, in dem behauptet wurde, die EU verbiete den Verkauf von Coca-Cola, weil der künstliche Süssstoff Aspartam als krebserregend eingestuft worden sei. Das ist falsch.
Korrekt ist: Die WHO hat den Süssstoff neu bewertet und stuft ihn neu als «möglicherweise krebserregend» ein. Eine Tagesdosis von 40mg/kg Körpergewicht gilt weiterhin als unbedenklich. Eine 60kg schwere Person müsste demnach täglich über 18 Liter Cola trinken, bevor diese Grenze überschritten wird. Zudem enthält das klassische Coca-Cola kein Aspartam, dies lässt sich nur in den künstlich gesüssten Varianten finden.
💡Mach den Faktencheck, wenn du in sozialen Medien Aussagen findest, die dir seltsam vorkommen.
Welche Faktencheck-portale gibt es?
Gerade in Zeiten zunehmender Informationsflut passiert es leicht, den Überblick zwischen Fakten und Fake News zu verlieren. Faktencheck-Portale können helfen, Aussagen und Behauptungen schnell und zuverlässig zu überprüfen. Ob es sich um eine Sensation über eine neue Therapie handelt, seltsame Tipps für die Gesundheit, eine Aufforderung zum Handeln oder zum Kauf von Produkten oder einfach eine andere virale Story: Eine Minute zum Prüfen vertrauenswürdiger Quellen kann verhindern, dass sich Falschinformationen verbreiten.
Zum Überprüfen von News im Gesundheitsbereich empfehlen wir dir diese zwei Faktenchecker:
- Medizin transparent ist ein österreichisches Portal zum Check von Fakten zu Gesundheitsthemen: https://medizin-transparent.at
- Das deutsche Faktencheckportal Correctiv verfügt über eine Spalte zum Thema Medizin und Gesundheit: https://correctiv.org/faktencheck/medizin-und-gesundheit/
💡Hinterfrage kritisch, was du in sozialen Medien und auf dir unbekannten Webseiten liest und nimm dir die Zeit, News zu prüfen.
MPox und die Covid-19-Impfung
Im Mai 2022 hat die Weltgesundheitsorganisation WHO wegen einer neuen Variante des MPox-Virus («Affenpocken») eine weltweite Notlage ausgerufen. Kurz darauf verbreiteten sich auf Social Media falsche Ursachen für eine MPox-Erkrankung. Zum Beispiel wurde behauptet, die seltene, durch engen Körperkontakt übertragbare Viruserkrankung, könne durch einen Covid-19-Impfstoff ausgelöst werden, der ein Schimpansen-Adenovirus enthält.
👉 Das ist eine falsche Information, denn Schimpansen-Adenoviren haben nichts mit MPox zu tun. Es handelt sich um zwei komplett verschiedene Viren.
Interessant ist, dass solche Falschinformationen dazu beitragen, dass die Gefahr von übertragbaren Krankheiten durch gewisse Personen unterschätzt wird. So hat eine italienische Studie aufgezeigt, dass ältere heterosexuelle Menschen, die religiös und/oder politisch konservativ eingestellt sind und gleichzeitig negative Einstellungen gegenüber schwulen Männern zeigen, eher dazu neigen, die MPox Epidemie als Fake News einzustufen. Sie hatten in der Folge weniger Angst vor einer MPox-Infektion. Tendenziell waren diese Personen weniger gegen Covid-19 geimpft und standen Impfgegner-Theorien näher. Zudem wiesen sie eine geschlossene Denkweise auf und hatten weniger Vertrauen in Personen, die Gesundheitsinformationen vermitteln. Die Ergebnisse der Studie legen nahe, dass bei der Aufnahme von Fake News Wertehaltungen mitspielen und dass es wichtig ist, Gesundheitsthemen zielgruppengerecht, differenziert und vorurteilsfrei zu kommunizieren.
💡Hinterfrage kritisch, was du in sozialen Medien liest, und hole dir Informationen aus vertrauenswürdigen Quellen.
👉 Weiterlesen: https://www.br.de/nachrichten/wissen/affenpocken-nein-die-corona-impfung-hat-den-mpox-ausbruch-nicht-ausgeloest-faktenfuchs,UOoD9lS
Alle Quellen in der Übersicht:
Wie erkenne ich Fake News?
Den Darm reinigen: Klingt gesund, ist aber nur ein Hype
Echinaforce: Wundermittel oder Wunschdenken?
Weiterführende quellen
https://blog.google/intl/de-de/produkte/suchen-entdecken/google-funktionen-zum-fakten-ueberpruefen/
https://www.nccih.nih.gov/
https://theconversation.com/chatgpt-and-other-generative-ai-could-foster-science-denial-and-misunderstanding-heres-how-you-can-be-on-alert-204897
https://www.krebsinformationsdienst.de/aktuelles/detail/der-beste-schutz-vor-fake-news-in-der-krebsforschung-und-krebsmedizin
https://www.frontiersin.org/journals/psychology/articles/10.3389/fpsyg.2023.1093763/full
https://theconversation.com/health-misinformation-is-rampant-on-social-media-heres-what-it-does-why-it-spreads-and-what-people-can-do-about-it-217059
https://plushcare.com/blog/tiktok-mental-health
https://www.clever-gesund-info.de/skills-tutorials/gesundheitsinformationen-im-internet
https://faktencheck.afp.com/